Der Morbus Parkinson ist eine schwere, fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die zu einer zunehmenden Beeinträchtigung kognitiver und motorischer Fähigkeiten führt. Die Hauptursache ist ein Untergang von bestimmten Nervenzellen im Gehirn, genauer im Hirnstamm, in der Substantia nigra. Dieser Bereich enthält Nervenzellen, die das so wichtige Dopamin synthetisieren. Typisch entstehen hierdurch vor allem Bewegungsstörungen im Sinne eines erhöhten Muskeltonus mit Bewegungsarmut und/oder kombiniert mit einem erniedrigten Muskeltonus mit Bewegungsüberschuss. Die klassische Symptomtrias besteht aus:
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Akinese = Bewegungsarmut
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Rigor = Steifigkeit
🤲
Tremor = Zittern
Dopamin (aus der Substantia nigra zu den Basalganglien)
Reneman, Liesbeth & van der Pluijm, Marieke & Schrantee, Anouk & Giessen, Elsmarieke. (2021). Imaging of the dopamine system with focus on pharmacological MRI and neuromelanin imaging. European Journal of Radiology. 140. 109752. 10.1016/j.ejrad.2021.109752.
Eine Heilung, also eine Wiederherstellung der Substantia nigra, ist nicht möglich. Man kann aber die Symptome behandeln:
Die Standardbehandlung ist zunächst vor allem medikamentös. Da das Dopamin fehlt und Dopamin nicht einfach durch die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn gelangen kann, wird die Vorstufe von Dopamin, L-Dopa, verabreicht, welche ins Gehirn wandern kann und dort zu Dopamin umgewandelt wird. Andere Medikamente wie Bromocriptin sind Dopamin-Agonisten, wirken also am Dopaminrezeptor ähnlich wie Dopamin oder Dopamin-Abbau-Hemmer (z. B. Selegilin: MAO-B-Hemmer). Es geht also darum, den Dopaminmangel auszugleichen und die Beweglichkeit zu verbessern.
Alternativ gibt es auch die elektrische tiefe Hirnstimulation (Elektrodenimplantation ins Gehirn). Zusätzlich wird Physiotherapie empfohlen. Aber hier enden meist die typischen, klassischen Maßnahmen.
Komplementäre Maßnahmen
Häufig werden in der Medizin viele weitere sinnvolle Maßnahmen vergessen oder unterlassen bzw. entziehen sich diese Maßnahmen dem ökonomisch-pekuniär getriebenen gesetzlichen Gesundheitssystem. Hier kommt die Komplementärmedizin ins Spiel. Wie der Name schon sagt, kann und sollte die Behandlung durch viele weitere Maßnahmen komplettiert werden.
Bewegung
Bewegung und körperliches Training ist nach vielen Studien der bekannteste und effektivste Weg, das Risiko für die Entstehung eines Morbus Parkinson zu verhindern sowie bei einem vorhandenen Morbus Parkinson die Symptome erheblich zu verbessern. In ihrer Metaanalyse haben Langeskov-Christensen et al. viele Studien zusammengefasst und den Effekt von körperlicher Aktivität auf die Parkinson-Symptomatik untersucht. Ein Beispiel daraus ist diese Grafik:
(Quelle: Langeskov-Christensen M, Franzén E, Grøndahl Hvid L, et al., Exercise as medicine in Parkinson’s disease, Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry 2024;95:1077-1088.)
Wir sehen, dass es natürlich am meisten von Vorteil ist, wenn man ein Leben lang körperlich aktiv war, aber auch der Beginn von körperlichem Training („exercise“) nach der Diagnosestellung eine anhaltende erhebliche Verbesserung der Symptomatik erlaubt.
Aus vielen Studien ist der präventive und therapeutische Aspekt von körperlicher Betätigung (Sport, Training, Kurse etc.) vielfach gezeigt worden.
Eine neue Studie aus 2026 hat die Effektstärke von verschiedenen Trainingsarten und dem Trainingsumfang auf die Parkinsonsymptomatik untersucht und die Frage geklärt, wie viel Training sollte man denn pro Woche durchführen.
(aus: Zeng, Bing, et al. "Optimal exercise modalities and doses for improving quality of life in patients with Parkinson’s disease: a network meta-analysis and dose–response study." Journal of Neurology 273.2 (2026): 123.)
Die Grafik zeigt uns, dass für Ausdauer (AE) der optimale Effekt bei ca. 1000 MET min/Woche Ausdauertraining ist (oder ca. 16 Met-Stunden pro Woche). 1000 MET-Minuten bedeutet, es könnten z. B. 100 Minuten à 10 MET (10 MET = sehr anstrengendes Training, z. B. Laufen bei 10 km/h) oder auch 200 Minuten à 5 MET (5 MET = mittel anstrengendes Training, Radfahren, Walken) sein.
MET steht für die Stärke der Anstrengung (hierzu gibt es im Internet überall Tabellen, welche Tätigkeit z. B. 2 MET, 5 MET oder 10 MET bedeutet). Multiplizieren wir also die Anstrengungsstärke MET mit der Anzahl der Minuten, die wir diese Tätigkeit durchführen, kommen wir auf die MET-Minuten.
Für Krafttraining (RT) zeigt die Grafik, dass wir eine optimale Effektstärke, also Verbesserung der Parkinsonsymptomatik, bei ca. 550 MET-Minuten pro Woche haben. Ein Krafttraining hat ca. eine Belastungsstärke von 5 MET. Bedeutet also, ca. 110 Minuten Krafttraining (z. B. 2 Krafttrainingskurse à 60 min) pro Woche wären optimal.
Fazit: Sport, Bewegung, körperliche Betätigung, Training (Kraft, Ausdauer) ist die am besten belegte komplementäre Maßnahme zur Verbesserung eines Morbus Parkinson.
Ernährung
Da es sich beim Morbus Parkinson um eine neurodegenerative Erkrankung handelt, also ein zunehmender Untergang von bestimmten Nervenzellen, lässt sich aus der Biochemie und auch aus experimentellen Studien ableiten, dass eine Entzündungshemmung den Abbau der Nervenzellen verlangsamen könnte.
Omega 3 und Vitamin E
Wir wissen aus der orthomolekularen Medizin, dass gerade zur Entzündungshemmung Omega 3 Fettsäuren und Vitamin E geeignet sind. Und genau dazu gibt es auch eine Studie von Taghizadeh et al. Sie haben Probanden mit Morbus Parkinson in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe erhielt 12 Wochen lang 1000 mg Omega 3 und 400 IU Vitamin E, die andere Gruppe ein Placebo. Nach den 12 Wochen zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Parkinson-Symptomatik bei der Gruppe, die Omega 3 und Vitamin E erhielt, nicht aber in der Placebo-Gruppe. Ein systematisches Review mit Analyse mehrerer Studien konnte diesen Trend bestätigen: Omega 3 und Vitamin E verbessern die Symptomatik bei Morbus Parkinson.
Vitamin D
Für Vitamin D gibt es ja inzwischen fast zu allen Themen Studien, so auch für den Morbus Parkinson. Für Vitamin D wird zum einen ein prophylaktischer Effekt gezeigt wie auch eine Wirkung im Sinne einer Verbesserung der Symptomatik.
Tyrosin
Wie wir ja oben gesehen haben, ist eine der Standardtherapien beim Morbus Parkinson, das fehlende Dopamin auszugleichen. An dieser Stelle schauen wir uns mal die biochemische Synthese des Dopamins im menschlichen Körper an:
Wir sehen in der Grafik, dass wir für das so wichtige Dopamin die Ausgangssubstanz Tyrosin brauchen. Tyrosin ist eine Aminosäure, also ein Eiweißbestandteil, den wir essen müssen. Dies wurde schon von Lemoine et al. 1989 gezeigt. Es zeigte sich eine Symptomverbesserung bei Parkinsonpatienten bei langfristiger Einnahme von 1,6–4 g Tyrosin pro Tag. Die Tatsache, dass eine orale Gabe von Tyrosin das Dopamin im zentralen Nervensystem erhöht, haben Growdon et al. schon 1982 gezeigt.
SAMe (S-Adenosylmethionin)
Wie wir auch in der Grafik sehen und aus der Biochemie wissen, ist SAMe auch ein essenzieller Faktor, damit Dopamin hergestellt werden kann. Auch hierzu wurden in Studien positive Effekte durch die Supplementierung von SAMe gezeigt.
Dahingehend sollten die anderen Co-Faktoren wie Vitamin B6, Eisen, Vitamin C und Magnesium auch nicht außer Acht gelassen werden.
Muskelmasse, Proteine
Dass die Menge der Muskelmasse einen eindeutigen positiven Zusammenhang zur Lebenserwartung hat, ist schon lange bekannt. Je mehr Muskelmasse, desto länger die Lebenserwartung. Gerade durch die Bewegungsprobleme beim Morbus Parkinson kommt es hier aber eher zu einem Muskelabbau. So ist der Muskelerhalt oder gar -aufbau ein essenzieller Bestandteil bei jeder Parkinsontherapie. Dazu brauchen wir natürlich die Bewegung. Aber Muskeln bauen sich nicht aus Luft und Liebe auf. Dazu brauchen wir Eiweiß (Proteine). So sollte uns also eine optimale Proteinversorgung mit der Nahrung positive Effekte beim Morbus Parkinson bringen. Dies konnten Barichella et al. in einer Studie mit der Supplementation von Whey-Protein kombiniert mit Vitamin D zeigen.
Kreatin / Coenzym Q10
Wir wissen, dass Kreatin speziell für die Muskelkraft und Muskelfunktion eine große Rolle spielt. So ist es für den Muskelerhalt bei drohender Sarkopenie (Muskelverlust durch Krankheit oder Alter) ein weiterer wichtiger Baustein. Dass dies auch für den Morbus Parkinson ein sinnvolles Supplement ist, hat Andreas Bender et al. schon 2006 in einer Studie gezeigt. Als wichtiger ATP-Lieferant nicht nur für Muskel-, sondern auch für Nervenzellen hat Kreatin auch positive Effekte auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Ähnliches kennen wir vom Coenzym Q10 als wichtigem Co-Faktor der Atmungskette, um in den Mitochondrien ATP zu generieren. Die kombinierte Gabe von Kreatin (5 g pro Tag) und Q10 (100 mg pro Tag) haben Li et al. 2015 in einer Studie mit positivem Ergebnis getestet.
Zusammenfassung
Zusammengefasst können wir sagen, dass der Morbus Parkinson als nicht heilbare neurodegenerative Erkrankung zusätzlich zur klassischen medikamentösen Therapie durchaus mit Optimierung einiger Lebensstilfaktoren verbessert bzw. der Verlauf abgemildert werden kann. Als wichtigsten Faktor, für den vielfach und eindeutig erhebliche positive Effekte gezeigt werden konnten, ist die Bewegung (Sport/Krafttraining) zu nennen. Damit die Effekte der Bewegung das maximale Ergebnis bringen, brauchen wir hierzu auch eine optimale (Mikro-)Nährstoffversorgung. Denn ohne Nährstoffe kein Muskelwachstum. Speziell für den Morbus Parkinson als entzündlich-degenerative Nervenerkrankung ist zusätzlich eine entzündungshemmende Nährstoffversorgung (Omega 3, Vitamin E) von Vorteil.
Da es sich beim Morbus Parkinson um eine über Jahre und Jahrzehnte fortschreitende Erkrankung handelt, ist gerade hierbei die Kontinuität der Maßnahmen und eine gesamte Optimierung der Lebensstilfaktoren über eine lange Zeit entscheidend.
Vitamin E (400 IU pro Tag), Omega 3 (2000 mg EPA pro Tag)
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Tyrosin >4–5 g pro Tag
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Proteine >1,5–2 g Proteine / Kilogramm Körpergewicht / Tag
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Kreatin >5 g pro Tag
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Coenzym Q10 200 mg/Tag
Quellen
2: Taghizadeh, Mohsen, et al. "The effects of omega-3 fatty acids and vitamin E co-supplementation on clinical and metabolic status in patients with Parkinson's disease: A randomized, double-blind, placebo-controlled trial." Neurochemistry International 108 (2017): 183-189.
3: Detopoulou, Paraskevi, et al. "Omega-3 fatty acids' supplementation in Parkinson's disease: A systematic review of randomized controlled trials." Clinical Nutrition Open Science 55 (2024): 102-115.
4: Zeng, Bing, et al. "Optimal exercise modalities and doses for improving quality of life in patients with Parkinson’s disease: a network meta-analysis and dose–response study." Journal of Neurology 273.2 (2026): 123.
5: Rimmelzwaan LM, van Schoor NM, Lips P, Berendse HW, Eekhoff EMW. "Systematic Review of the Relationship between Vitamin D and Parkinson’s Disease." Journal of Parkinson’s Disease. 2016;6(1):29-37. doi:10.3233/JPD-150615
6: Lemoine P, Robelin N, Sebert P, Mouret J. "[L-tyrosine: a long term treatment of Parkinson's disease]." Comptes Rendus de L'academie des sciences. Serie III, Sciences de la vie. 1989;309(2):43-47. PMID: 2502304.
7: Growdon, John H., et al. "Effects of oral L-tyrosine administration of CSF tyrosine and homovanillic acid levels in patients with Parkinson's disease." Life Sciences 30.10 (1982): 827-832.
8: Baden, Kyrie Eleyson R., et al. "S-Adenosylmethionine (SAMe) for Central Nervous System Health: A Systematic Review." Nutrients 16.18 (2024): 3148.
9: Di Rocco, Alessandro, et al. "S‐adenosyl‐methionine improves depression in patients with Parkinson's disease in an open‐label clinical trial." Movement Disorders: Official Journal of the Movement Disorder Society 15.6 (2000): 1225-1229.
10: Srikanthan, Preethi, and Arun S. Karlamangla. "Muscle mass index as a predictor of longevity in older adults." The American Journal of Medicine 127.6 (2014): 547-553.
11: Barichella, Michela, et al. "Muscle-targeted nutritional support for rehabilitation in patients with parkinsonian syndrome." Neurology 93.5 (2019): e485-e496.
12: Bender, Andreas, et al. "Creatine supplementation in Parkinson disease: a placebo-controlled randomized pilot trial." Neurology 67.7 (2006): 1262-1264.
13: Li, Zhenguang, et al. "The effect of creatine and coenzyme q10 combination therapy on mild cognitive impairment in Parkinson's disease." European Neurology 73.3-4 (2015): 205-211.