Wie der weibliche Zyklus wirklich funktioniert – und was Fruchtbarkeit beeinflusst
Wenn wir über Fruchtbarkeit sprechen, wirkt beim Mann zunächst alles recht unkompliziert: Spermien werden ständig neu gebildet.
Bei der Frau ist das deutlich komplexer. Hier entscheidet ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Hormonen, Zellreifung und Zeitfenstern darüber, ob eine Eizelle tatsächlich bereit ist, befruchtet zu werden.
Und dieses Zusammenspiel passiert nur einmal pro Monat.
Ein erstaunlich begrenzter Vorrat
Frauen werden mit allen Eizellen geboren, die sie jemals besitzen werden.
Bereits während der Embryonalentwicklung findet eine spezielle Zellteilung statt (die sogenannte Meiose), durch die aus dem vollständigen Chromosomensatz von 46 Chromosomen später Eizellen mit nur 23 Chromosomen entstehen. Genau diese 23 Chromosomen werden bei einer Befruchtung mit den 23 Chromosomen des Spermiums kombiniert – zusammen ergeben sie die 46 Chromosomen eines neuen Menschen.
Bei der Geburt besitzt ein Mädchen etwa:
Bis zur Pubertät reduziert sich dieser Vorrat bereits deutlich:
Interessanterweise braucht die Natur davon nur einen kleinen Teil. Während der fruchtbaren Lebensphase – ungefähr zwischen dem 15. und 45. Lebensjahr – kommt es monatlich zu einem Eisprung.
30 Jahre × 12 Monate = etwa 360 Eisprünge
Die meisten Eizellen werden also nie verwendet.
1–2 Mio
Eizellen bei Geburt
300–500k
Eizellen zur Pubertät
Der weibliche Zyklus – ein hormonelles Orchester
Der Menstruationszyklus dauert im Durchschnitt etwa 28 bis 30 Tage. Er beginnt am ersten Tag der Regelblutung und wird durch ein hochkomplexes Hormonsystem gesteuert.
Die Dirigenten dieses Systems sitzen im Gehirn:
- Hypophyse (Hirnanhangsdrüse)
Diese beiden Strukturen geben den Takt für die Hormone vor.
Die Hypophyse produziert dabei zwei zentrale Steuerhormone:
FSH (Follikelstimulierendes Hormon)
Lässt Eibläschen im Eierstock reifen
LH (Luteinisierendes Hormon)
Zusammen nennt man sie Gonadotropine, weil sie die Geschlechtsorgane (Gonaden) stimulieren.
(Quelle: Breckwoldt M et al. Hrsg. Gynäkologie und Geburtshilfe. 5. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2008)
Erste Zyklushälfte: Reifung der Eizelle
In der ersten Zyklushälfte beginnt ein sogenannter Follikel zu wachsen – eine kugelförmige Zellstruktur im Eierstock, die eine Eizelle enthält.
Unter dem Einfluss von FSH produziert dieser Follikel zunehmend Östrogen (17β-Östradiol).
Diese Phase dauert ungefähr bis zum 13. Zyklustag.
Das steigende Östrogen bereitet den Körper darauf vor, dass bald eine Befruchtung möglich sein könnte.
Der Eisprung: ein kurzes Zeitfenster
Etwa in der Mitte des Zyklus – meist um den 14. Tag – kommt es zu einem plötzlichen starken Anstieg des LH-Hormons.
Dieser sogenannte LH-Peak löst den Eisprung aus.
Dabei geschieht Folgendes:
- Die Eizelle verlässt den Follikel
- Sie wandert in den Eileiter
- Dort ist sie etwa 12–24 Stunden befruchtungsfähig
Das bedeutet: Das Zeitfenster für eine Befruchtung ist relativ kurz.
Da Spermien jedoch bis zu fünf Tage überleben können, liegt die optimale Zeit für Geschlechtsverkehr bei Kinderwunsch etwa 1–3 Tage vor dem Eisprung.
Zweite Zyklushälfte: Progesteron übernimmt
Nach dem Eisprung bleibt die leere Hülle des Follikels im Eierstock zurück. Sie verwandelt sich in den sogenannten Gelbkörper (Corpus luteum).
Dieser produziert nun ein anderes wichtiges Hormon:
Progesteron
Während Östrogen in der ersten Zyklushälfte dominiert, übernimmt nun Progesteron die Hauptrolle.
- Aufbau und Stabilisierung der Gebärmutterschleimhaut
- Vorbereitung auf eine mögliche Einnistung
Typische Progesteronwerte:
Ohne ausreichend Progesteron kann eine Schwangerschaft oft nicht stabil entstehen.
Wenn der Gelbkörper zu schwach ist
Produziert der Gelbkörper zu wenig Progesteron, spricht man von einer Gelbkörperschwäche.
Typische Hinweise können sein:
- verkürzte oder unregelmäßige Zyklen
- niedrige Progesteronwerte
- verminderte Fruchtbarkeit
Eine mögliche Ursache ist ein erhöhter Prolaktinspiegel.
Prolaktin ist eigentlich das Hormon für die Milchbildung. Wird es jedoch außerhalb der Schwangerschaft zu stark ausgeschüttet, kann es den Eisprung und die Gelbkörperfunktion stören.
Interessant dabei: Dopamin wirkt als natürlicher Gegenspieler von Prolaktin.
Zu hoher Prolaktinspiegel → häufig Dopaminmangel.
Ist zu wenig Dopamin vorhanden, steigt Prolaktin an. Und dass Dopamin bei uns heutzutage häufig Mangelware ist, haben wir schon oft erörtert. Hier brauchen wir insbesondere Tyrosin als wichtige Vorstufe des Dopamin.
Mönchspfeffer – eine interessante Pflanze
Hier kommt eine seit Jahrhunderten bekannte Heilpflanze ins Spiel:
Vitex agnus-castus (Mönchspfeffer).
Ihre Inhaltsstoffe wirken offenbar stimulierend auf Dopamin-Rezeptoren und können dadurch den Prolaktinspiegel senken.
Eine randomisierte Doppelblindstudie aus dem Jahr 2017 untersuchte Frauen mit vorzeitigem Ovarialversagen.
Die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden war damit
mehr als doppelt so hoch1,^2
.
Eine häufige Ursache für Zyklusstörungen: PCOS
Eine weitere häufige Ursache für ausbleibende Eisprünge ist das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS).
Etwa jede siebte Frau ist davon betroffen – damit ist es die häufigste hormonelle Erkrankung bei Frauen im gebärfähigen Alter.
Typische Merkmale können sein:
- erhöhte männliche Hormone (Androgene)
- verstärkte Körperbehaarung
Oft findet man außerdem ein erhöhtes LH-FSH-Verhältnis.
Nährstoffe, die bei PCOS helfen können
Studien zeigen, dass bestimmte Nährstoffe die hormonelle Situation bei PCOS verbessern können.
Vitamin D
- höhere Schwangerschaftsraten
Omega-3-Fettsäuren
In einer randomisierten Studie mit PCOS-Patientinnen erhöhte eine zusätzliche Omega-3-Supplementierung signifikant die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von zwei Zyklen schwanger zu werden – besonders bei übergewichtigen Frauen
5
.
Myo-Inositol
Myo-Inositol verbessert die Insulinsensitivität und kann dadurch:
- die Eizellqualität verbessern
- hormonelle Parameter normalisieren
- die Fruchtbarkeit erhöhen
Ein zusätzlicher Vorteil: Es kann auch das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes senken
6,^7
.
Weitere Nährstoffe, die laut Reviews unterstützend wirken können
8
:
Zyklus verstehen: Messen statt raten
Der durchschnittliche Zyklus dauert etwa 28 Tage. Der Eisprung liegt meist zwischen Tag 12 und 14.
Doch jeder Körper ist individuell. Deshalb kann Zyklus-Tracking sehr hilfreich sein.
Basaltemperatur
Progesteron erhöht nach dem Eisprung leicht die Körpertemperatur.
Der typische Temperaturanstieg beträgt etwa:
0,4–0,6 °C
Die Messung sollte erfolgen:
- morgens direkt nach dem Aufwachen
- möglichst immer zur gleichen Uhrzeit
Nach mehreren Zyklen lässt sich so relativ zuverlässig erkennen, wann der Eisprung stattfindet.
LH-Tests
Zusätzlich können Urintests den LH-Peak messen. Dieser tritt etwa 24–36 Stunden vor dem Eisprung auf.
Bereits nach 3 Zyklen erhält man ein gutes Bild des individuellen Zyklus. Für eine sehr genaue Prognose empfehlen Experten etwa 6 Zyklen Beobachtung.
Eine besonders einfache Möglichkeit zur Bestimmung des Eisprungs sind sogenannte LH-Tests, die frei und kostengünstig in Apotheken, Drogerien oder online erhältlich sind.
Fazit
Der weibliche Zyklus ist ein erstaunlich präzises biologisches System. Jeden Monat arbeitet der Körper daran, eine einzige Eizelle auf den perfekten Moment vorzubereiten.
Damit das gelingt, müssen viele Faktoren zusammenpassen:
Störungen wie Gelbkörperschwäche oder PCOS können diesen Ablauf aus dem Gleichgewicht bringen – doch oft lassen sich mit gezielter Diagnostik, Lebensstilmaßnahmen und manchmal auch einfachen Nährstoffen wichtige Verbesserungen erzielen.
„Wer seinen Zyklus versteht, versteht einen zentralen Teil seiner Gesundheit.“
Und manchmal beginnt genau dort der erste Schritt zu neuem Leben.
Normwerte der weiblichen Hormone
Follikelreifung im Eierstock
LH-Peak löst Eisprung aus
Gelbkörper produziert Progesteron
Wann misst man welche Hormone?
Beurteilung der Ovarialfunktion
LH/FSH-Verhältnis (Hinweis auf PCOS)
Grundaktivität der Eierstöcke
Marker der ovariellen Reserve
Der weibliche Zyklus wird durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Hormonen gesteuert. Während in der ersten Zyklushälfte der Follikel im Eierstock unter dem Einfluss von Östradiol heranreift, löst ein LH-Peak um die Zyklusmitte den Eisprung aus. Danach produziert der Gelbkörper Progesteron, das die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Einnistung vorbereitet.
Die 7 wichtigsten Marker eines gesunden Zyklus
stabile hormonelle Regulation
konstante Zyklussteuerung
Voraussetzung für Schwangerschaft
funktionierender Gelbkörper
indirekter Eisprungnachweis
stabile Phase für Einnistung
Quellen
1: Puglia LT, Lowry J, Tamagno G. Vitex agnus castus effects on hyperprolactinaemia. Front Endocrinol. 2023.
2: Hossein-Rashidi B. Effects of Vitex agnus-castus extract on pregnancy rate. Journal of Herbal Medicine. 2017.
3: Abu El-ella AA et al. L-Tyrosine Supplement and reproductive performance. Egyptian Journal of Sheep and Goats Sciences. 2011.
4: Yang M et al. Vitamin D supplementation and PCOS fertility outcomes. Front Endocrinol. 2023.
5: Trop-Steinberg S et al. Omega-3 Intake Improves Pregnancy Rate in PCOS. IMAJ. 2023.
6: Unfer V et al. Myo-inositol in PCOS: systematic review. Gynecol Endocrinol. 2012.
7: Mendoza N et al. Myo-inositol/D-chiro-inositol and fertility. Gynecol Endocrinol. 2022.
8: Alesi S et al. Nutritional Supplements and Complementary Therapies in PCOS. Advances in Nutrition. 2022.