Vitamin K und Kalium
Da es hier und da, doch mal zu Verwechslungen mit dem großen K kommt, wollte ich hier mal eine Gegenüberstellung vom Kalium (häufig als K oder K+ bezeichnet) und vom Vitamin K machen. Auch weil beides gerade für „Herzpatienten“ bedeutsam ist, kommt es da gerne mal zu Verwechslungen.
Vitamin K
Das Vitamin K ist klassischerweise dafür bekannt, dass es für die Synthese von einigen Gerinnungsfaktoren in der Leber gebraucht wird. Die Blutgerinnung läuft nach einer Kaskade ab, ein Gerinnungsfaktor führt zur Aktivierung des nächsten. Die Faktoren wurden durchnummeriert, also Faktor 1 bis 13. Das Vitamin K ist jedoch nur für die Synthese der 4 Faktoren 2, 7, 9 und 10 notwendig. (Merkhilfe: 1972 Olympia München). Wenn nicht genug Vitamin K vorhanden ist, dann können die 4 Faktoren 2, 7, 9 und 10 nicht produziert werden. Somit kommt es dann zu einer verringerten Blutgerinnung (Blutungsneigung). Ist genug Vitamin K vorhanden, dann funktioniert normalerweise auch die Blutgerinnung korrekt (Achtung: bitte nicht den falschen Umkehrschluss ziehen, dass zuviel Vitamin K die Gerinnung übermäßig steigern würde. Der Körper holt sich für die Gerinnungsfaktorherstellung nur so viel Vitamin K wie er braucht. Wenn zuviel Vitamin K da wäre, würden dadurch nicht gleich zuviel Gerinnungsfaktoren hergestellt. Vitamin K hat eine hohe therapeutische Breite, heißt Überdosierungen sind nicht bekannt. Es gibt auch keine obere Einnahmegrenze für Vitamin K (siehe (1)).
Also zu wenig Vitamin K, eingeschränkte Gerinnungsfaktorbildung, erhöhte Blutungsneigung. Das macht man sich in der Medizin zunutze. Möchte man die Blutgerinnung hemmen, kann man ein Medikament geben, was das Vitamin K antagonisiert (blockiert). In Deutschland nutzt man hierfür fast ausschließlich das Phenprocoumon (Marcumar®), in den USA eher Warfarin (Coumadin ®).
Wer also Phenprocoumon (Marcumar®) einnehmen muss, der sollte auf das Vitamin K achtgeben. Denn man möchte mit dem Medikament ja das Vitamin K blockieren und damit die Blutgerinnung hemmen. Isst man bei Marcumar-Einnahme jetzt Vitamin K (jeden Tag unterschiedliche Mengen), dann kommt die Wirkung durcheinander. Wer Marcumar nimmt, weiß, dass das Medikament individuell gut eingestellt werden muss. Wechselnde Mengen vom Vitamin K würden das jeweils durcheinanderwirbeln. Daher rät man Marcumarpatienten häufig vom Vitamin K ab, um nicht plötzlich die Wirkung vom Marcumar abzuschwächen.
Was nicht bedeutet, dass Marcumarpatienten kein Vitamin K einnehmen dürfen, es sollte nur jeweils täglich eine konstante Dosis sein, damit man die Marcumardosierung daraufhin anpassen kann. (2)
Wichtig: die anderen Gerinnungshemmer und „Blutverdünner“ wie ASS, Clopidogrel, NOAK´s(Eliquis®, Xarelto®, Lixiana®, etc.) haben nichts mit dem Vitamin K zu tun. Hier braucht man keinerlei Rücksicht auf die Vitamin K Aufnahme, was die Gerinnung angeht, nehmen.
Was es noch zum Vitamin K zu sagen gibt:
- Alle Neugeborenen bekommen heutzutage direkt nach der Geburt Vitamin K verabreicht, damit es nicht zu inneren Blutungen kommt.
- Vitamin K wird nochmal unterteilt in Vitamin K1 und Vitamin K2
- Vitamin K1 (Phyllochinon): pflanzlicher Herkunft (insb. grünes Blattgemüse)
- Vitamin K2 (Menachinon): tierischer Herkunft (insb. Fleisch, Milch, Ei)
- Vitamin K2 ist besonders für seine Funktion im Calcium-Stoffwechsel bekannt. Es fördert den Einbau von Calcium in die Knochen.
- Vitamin K1 und K2 scheinen das Atheriosklerose-Risiko (Gefäßverkalkung) zu senken („holen das Calcium aus dem Blut in die Knochen“)
- Die Interaktion mit dem Vitamin K gilt NUR für die Vitamin K Antagonisten (Phenprocoumon, Warfarin), nicht für all die andersartigen „Blutverdünner“ (Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. ASS), Heparine, Faktor 10a-Inhibitoren (z.B. Enoxaparin) und NOAK=neue orale Antikoagulantien (z.B. Eliquis®).
Kalium
Kommen wir jetzt zu dem anderen großen K. Dem wichtigen Mineral Kalium.
Neben dem Natrium, ist es das wichtigste Mineral des Körpers. Natrium und Kalium sind insbesondere an der so wichtigen Na+/K+-Pumpe beteiligt. Diese pumpt Natrium aus der Zelle heraus und Kalium in die Zelle hinein. Zu den wichtigsten Mineralien gehören neben Natrium und Kalium auch das Calcium und Magnesium. Da diese Mineralien im Körper als positiv geladene Ionen vorliegen, nennen wir sie Elektrolyte und sie spielen die entscheidende Rolle bei der elektrischen Nervenerregungsleitung. Hierbei ist insbesondere die Regulation der elektrischen Herzerregung von Bedeutung. Logisch, Störungen in der Herzerregung sind deutlich schlimmer als sonstwo ein Muskelzucken oder Wadenkrämpfe.
Eine der Hauptfunktionen von Kalium besteht darin, den normalen Herzrhythmus aufrechtzuerhalten. Es ist an der Regulierung der Erregungsleitung im Herzmuskel beteiligt. Kaliumionen sind an der Repolarisation der Herzmuskelzellen nach einer Kontraktion beteiligt, was bedeutet, dass sie dafür sorgen, dass das Herz nach jedem Herzschlag wieder auf den Ruhezustand zurückkehrt. Durch die Regulierung des Ruhe- und Aktionspotentials der Herzmuskelzellen hilft Kalium, den Herzrhythmus stabil zu halten und das Risiko von Arrhythmien zu verringern.
Ein Mangel an Kalium kann schwerwiegende Auswirkungen auf das Herz haben. Ein niedriger Kaliumspiegel, auch Hypokaliämie genannt, kann zu einer gestörten Herzfunktion führen. Es kann zu Herzrhythmusstörungen wie Herzrasen, Herzblockaden oder sogar lebensbedrohlichen Zuständen wie ventrikulärer Tachykardie oder Vorhofflimmern führen. Diese Arrhythmien können das Risiko von Herzinfarkten und plötzlichem Herztod erhöhen.
Genauso oder fast noch gefährlicher kann ein zu hoher Kaliumspiegel, auch Hyperkaliämie genannt, sein. Eine übermäßige Kaliumaufnahme oder eine gestörte Kaliumausscheidung kann zu einer gestörten Herzfunktion führen und zu lebensbedrohlichen Zuständen wie Kammerflimmern führen.
Normalerweise reguliert die Niere den Kaliumspiegel im Blut problemlos. Problematisch wird es, wenn die Nierenfunktion eingeschränkt ist. Dann kann es schnell mal zu einer Hyperkaliämie kommen. Oder wenn Medikamente gegeben werden, die die Kaliumausscheidung in der Niere blockieren, sogenannte kaliumsparende Diuretika (Spironolacton, Eplerenon, Canrenon, Amilorid, Triamteren). Spironolacton ist z.B. ein Aldosteronantagonist. Aldosteron macht eine Natriumrückresorption und eine Kaliumausscheidung an der Niere. Blockiert man das, dann passiert das Gegenteil. Natrium geht verloren und Kalium wird zurückresorbiert. Das Kalium steigt also im Blut eher an. Ähnliches Prinzip, aber etwas geringer ist es bei den ACE-Hemmern (Blutdrucksenker). Diese Blockieren das Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE), welches aus Agiotensin 1 Angiotensin 2 macht. Damit blockiert es also das Renin-Angiontensin-Aldosteron-System (RAAS)-System und somit wird auch das Aldosteron vermindert, was ebenfalls wie oben beschrieben das Kalium im Blut erhöht.
Und dann gibt es da noch Herzmedikamente, sog. Antiarrhythmika, also Medikamente die Herzrhythmusstörungen vorbeugen sollen. Hier sind die Klasse III-Antiarrhythmika (Kalium-Kanal-Blocker) zu nennen, z.B. Amiodaron, Sotalol, sowie auch die Klasse I-Antiarrhythmika (Natrium-Kanal-Blocker), z.B. Chinidin, Procainamid, Disopyramid. Da diese in den Natrium-/Kalium-Stoffwechsel eingreifen, ist unter der Einnahme besonders auf einen ausgeglichenen Kalium- (und natürlich auch Natrium-) Haushalt zu achten. Starke Elektrolytverschiebungen sind, gerade für Menschen mit Herzrhythmusstörungen, gefährlich und insbesondere dann, wenn Menschen mit Herzrhythmusstörungen auch noch Antiarrhythmika mit Natrium-/oder Kaliumwirkungen einnehmen.
Was zusammengefasst zum Kalium zu sagen ist:
- Kalium ist ein außerordentlich wichtiges Mineral/Salz/Elektrolyt.
- Es steht in engem Zusammenhang zum Natrium, daher sollte beides immer im optimalen Verhältnis im Blut sein.
- Heutzutage wird oft zuviel Natrium (im Fastfood) und im Verhältnis dazu, zu wenig Kalium (insb. in Obst und Gemüse) aufgenommen
- Natrium steigert den Blutdruck, Kalium senkt den Blutdruck
- Störungen im Kaliumhaushalt, zu hoch (Hyperkaliämie), zu niedrig (Hypokaliämie) können gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen.
- Menschen mit Niereninsuffizienz oder Einnahme von Medikamenten, die das Kalium beeinflussen (bestimmte Diuretika, ACE-Hemmer und bestimmte Antiarrhythmika), müssen besonders auf einen ausgeglichenen Kaliumhaushalt achten.
So, ich hoffe wir konnten die Krux mit dem K ein wenig auflösen. Beides völlig verschiedene Substanzen in unserem Körper mit jeweils eigenen, wichtigen Aufgaben. Die aber beide als Gemeinsamkeit vor allem den Buchstaben K haben. Eine weitere Gemeinsamkeit, die sicher auch zu den Verwechslungen führt: bei beiden müssen Herz- oder Nierenpatienten manchmal achtgeben: Marcumarpatienten müssen beim Vitamin K und Herz-Nierenpatienten beim Kalium aufmerksam sein und besonders auf die RICHTIGE Dosierung achten.
Offizielle Einnahmeempfehlungen der beiden K´s vom Institute of Medicine (US) (3)
Vitamin K: Erwachsene 90(Frauen) - 120(Männer) µg pro Tag
Kalium: Erwachsene 2600(Frauen) – 3400(Männer) mg pro Tag