Sonnenexposition – eine differenziertere Betrachtung
Dr. Volker Zitzmann • 7 Min. Lesezeit
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Raus an die Sonne!
Wenn es um Empfehlungen zum Sonnenschutz geht, ist die allgemeine Meinung immer ganz pauschal: JA, IMMER! Aber darf man das so sagen? Wollen wir uns das mal genauer anschauen:
Wovor hat man durch übermäßige UV-Exposition immer Angst? Richtig, Hautkrebs. Leider wird Hautkrebs mit UV-Exposition immer pauschal assoziiert. Das ist aber nur zum Teil richtig. Es gibt verschiedene Arten von Hautkrebs, die wichtigsten sind:
Tumor
Verhalten
Häufigkeit ca.
Basaliom (Basalzellkarzinom)
metastasiert nie
70-80%
Spinaliom (Plattenepithelkarzinom)
metastasiert selten
15-20%
Malignes Melanom (Schwarzer Hautkrebs)
aggressiv, häufig metastasierend
5-10%
Andere
selten
Dass das Risiko für die Entstehung eines Basalioms klar mit einer erhöhten UV-Exposition assoziiert ist, ist vielfach bekannt und nachgewiesen ( , ). Ein Basaliom metastasiert nicht und kann durch eine leicht durchzuführende chirurgische Exzision geheilt werden. Es ist nicht lebensbedrohlich. Wovor man wirklich Angst hat, ist das maligne Melanom, einer der aggressivsten Hautkrebsarten mit hoher Letalität im Spätstadium.
Also schauen wir uns doch mal genauer an, was man vor allem zur Prophylaxe dieser hochmalignen Krebsart in Zusammenhang mit Sonnenstrahlung weiß.
Eine sehr ausführliche Studie zu Melanom-Fällen und genauer Analyse der Risikofaktoren von Personen haben Newton-Bishop et al (2011) durchgeführt .
Ein erhöhtes Risiko für das maligne Melanom war:
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Blonde, rote Haare im Vergleich zu schwarzen, braunen Haaren
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Helle Haut im Vergleich zu dunklerer Haut
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Geringe/keine Fähigkeit zur Hautbräunung durch Sonnenlicht im Vergleich zu hoher Bräunungsfähigkeit
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**Sonnenbrand **in der Vergangenheit im Vergleich zu keinem Sonnenbrand
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Geringere tägliche Sonnenexposition an Wochenenden in den warmen Monaten (>4h/Tag) im Vergleich zu mehr Sonnenexposition (>5h/d)
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Geringere Sonnenexposition (in Stunden pro Jahr) im Urlaub (>46,2h) im Vergleich zu mehr Sonnenexposition im Urlaub pro Jahr (>46,2h)
Das interessante an den Ergebnissen ist, dass in dieser Studie tatsächlich eine höhere Sonnenexposition (im Urlaub und an Wochenenden) mit einem geringeren Melanom Risiko verbunden war.
Zusammenfassend konnte in dieser Studie gezeigt werden, dass es einen Zusammenhang von Hauttyp und Sonnenbränden mit dem Auftreten des malignen Melanoms gibt, aber keinen, oder sogar einen inversen Zusammenhang von Sonnenexposition und Melanom, in dem Sinne, dass regelmäßig moderate Sonnenexposition teils sogar einen schützenden Effekt vor dem malignen Melanom hat. Die Tabellen mit den verschiedenen Risiken kann man sich mal in Ruhe in der frei zugänglichen Studie ansehen, sehr interessant:
Es gab auch in anderen Studien, z.B. der großen Nurses Health Study, zwar einen Zusammenhang von UV-Exposition und Basaliom/Spinaliom, jedoch keinen statistisch signifikanten Zusammenhang von Sonnenlichtexposition und Melanom .
Einig sind sich jedoch alle Studien, dass es einen klaren Zusammenhang von Sonnenbränden und Melanom gibt (erklärt sich vielleicht wiederum aus dem Hauttyp, dass hellhäutige ein höheres Melanomrisiko haben und diese ja auch häufiger und leichter einen Sonnenbrand bekommen. Ob diese Korrelation auch eine Kausalität ist, ist nicht so ohne weiteres zu eruieren). Logisch ist aber, dass man natürlich Sonnenbrände dringend vermeiden muss. Das erschließt sich jedem, denn das ist weder angenehm noch gesund. Das steht außer Frage. Klar. Aber einfach eine pauschale Aussage, Sonnenlichtexposition sei immer schlecht und immer dringen zu vermeiden ist nicht statthaft, so wie es aber leider in undifferenzierten Pauschalaussagen häufig getroffen wird. Denn wie allgemein bekannt ist, hat Sonnenlicht auch viele positive Effekte, Vitamin D, Stimmung, allgemeine Gesundheit, u.a. nachgewiesene Risikoreduktion für multiple Krebsarten .
Und das wichtigste ist ja im Endeffekt, wer lebt länger (und gesünder), wer häufiger in die Sonne geht oder wer häufiger die Sonne meidet. Und dazu gibt es eindeutige Studienergebnisse.
Interessant ist hierzu die Arbeit von Lindqvist et al :
Wir sehen in der Kurve, dass das allgemeine Sterberisiko bei den „Sonnenvermeidern“ 2-fach höher ist als bei „Sonnenexponierten“.
Eine weitere Graphik aus dieser Arbeit ist die folgende, hier wurde unterteilt in Raucher und Nicht-Raucher und das allgemeine Sterberisiko in Abhängigkeit von der Sonnenexposition:
Wenn man sich die Graphiken mal ansieht, dann zeigt sich, dass Nicht-Raucher die strikt die Sonne meiden eine ebenso verkürzte Lebenserwartung haben wie Raucher, die „Sonnenexponiert“ sind. Da könnte man also fast sagen: die Sonne zu vermeiden ist ungefähr genauso ungesund wie zu rauchen.
Bleibt mir nur zu sagen: freut euch auf hoffentlich schönes Wetter und raus in die Sonne (aber bitte ohne Sonnenbrand wiederkommen).
Wie so oft wird in den Medien häufig eine pauschale, undifferenzierte Aussage getroffen, die dann nur teilweise richtig ist (z.B. „Sonnenlichtexposition erhöht das Hautkrebsrisiko“). Das führt dann natürlich bei denjenigen, die das ganze etwas ausführlicher und genauer betrachten korrekterweise zu Misstrauen. Denn auch Halbwahrheiten kann man durchaus als „falsch“ bezeichnen, auch wenn das viele Journalisten anscheinend nicht so sehen oder sehen wollen. Schade, so macht man sich unglaubwürdig.
Als kleine Zusammenfassung hier nochmal eine differenzierte Empfehlung zum Sonnenschutz:
Differenzierte Empfehlungen für Sonnenschutz
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UV-Strahlung ist nicht pauschal schädlich – die Wirkung hängt von der Art der Exposition, dem individuellen Hauttyp und dem Verhalten ab.
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Pauschale Empfehlungen wie „Immer Sonnencreme verwenden“ sind wissenschaftlich nicht korrekt und können sogar nachteilig sein.
Hauttypen
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Sonnenempfindliche Personen:
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Helle Haut, rote Haare, viele Sommersprossen.
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Neigung zu Sonnenbrand schon bei kurzer Sonnenexposition.
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Höheres Risiko für Melanom.
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Sonnenunempfindliche Personen:
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Dunklere Hauttypen, die schnell bräunen und selten Sonnenbrand bekommen.
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Geringeres Risiko für Melanom, regelmäßige moderate Sonnenexposition kann sogar schützend sein.
Wann ist Sonnencreme sinnvoll?
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Sonnenempfindliche Personen:
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Unbedingt Sonnencreme verwenden (LSF 30+), auch bei kurzen Aufenthalten im Freien.
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Zusätzlicher Schutz durch Kleidung und Hüte.
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Sonnenunempfindliche Personen:
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Regelmäßige moderate Sonnenexposition ohne Sonnencreme kann gesund sein.
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Vermeidung von Sonnenbrand bleibt entscheidend.
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Für alle bei intensiver, intermittierender Sonnenexposition (z.B. Urlaub in den Tropen):
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Schutz durch Kleidung, Schatten und Sonnencreme.
Vitamin D und Sonnenschutz
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UVB-Strahlung ist notwendig für die körpereigene Vitamin-D-Bildung.
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Menschen mit sonnenunempfindlicher Haut sollten bei starkem Sonnenschutz ihren Vitamin-D-Spiegel überprüfen.
Praktische Empfehlungen für die Praxis
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Gezielt nach Hauttyp und Sonnenempfindlichkeit unterscheiden
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Differenzierte Empfehlungen für Sonnenschutz und Sonnenexposition
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Bei sonnenempfindlichen Personen Vitamin-D-Supplementierung in Erwägung ziehen.
Quellen
1: Bauer, A., Haufe, E., Heinrich, L. et al. Neues zum berufsbedingten Hautkrebs – Basalzellkarzinom und solare UV-Exposition. Hautarzt 72, 484–492 (2021). **
2: Mark P. Little, Terrence Lee, Michael G. Kimlin, Cari M. Kitahara, Rui Zhang, Bruce H. Alexander, Martha S. Linet, Elizabeth K. Cahoon; Lifetime Ambient UV Radiation Exposure and Risk of Basal Cell Carcinoma by Anatomic Site in a Nationwide U.S. Cohort, 1983–2005. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 1 October 2021; 30 (10): 1932–1946. **
3: Newton-Bishop JA, Chang YM, Elliott F, Chan M, Leake S, Karpavicius B, Haynes S, Fitzgibbon E, Kukalizch K, Randerson-Moor J, Elder DE, Bishop DT, Barrett JH. Relationship between sun exposure and melanoma risk for tumours in different body sites in a large case-control study in a temperate climate. Eur J Cancer. 2011 Mar;47(5):732-41. doi: 10.1016/j.ejca.2010.10.008. PMID: 21084183; PMCID: PMC3046902.**
4: Wu S, Han J, Vleugels RA, Puett R, Laden F, Hunter DJ, Qureshi AA. Cumulative ultraviolet radiation flux in adulthood and risk of incident skin cancers in women. Br J Cancer. 2014 Apr 2;110(7):1855-61. doi: 10.1038/bjc.2014.43. Epub 2014 Mar 4. PMID: 24595003; PMCID: PMC3974077.**
5: H.J. van der Rhee, E. de Vries, J.W.W. Coebergh, Does sunlight prevent cancer? A systematic review, European Journal of Cancer, Volume 42, Issue 14, 2006, Pages 2222-2232, ISSN 0959-8049,
6: P. G. Lindqvist, E. Epstein, M. Landin-Olsson, C. Ingvar, K. Nielsen, M. Stenbeck and H. Olsson, Avoidance of sun exposure is a risk factor for all-cause mortality: results from the Melanoma in Southern Sweden cohort, J. Intern. Med., 2014, 276, 77–86.**