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Dehnen, was kurz ist – trainieren, was schwach ist
Hinter vielen Beschwerden steht dasselbe Muster: Ein Muskel ist verkürzt oder zu angespannt, sein Gegenspieler zu schwach. Das Gelenk steht dadurch schief, und irgendwann tut es weh – oft an einer ganz anderen Stelle.
Die Kettenreaktion
Wie aus schwachem Po ein steifer Nacken wird
Eine schwache Gesäß- und Rumpfmuskulatur stabilisiert das Becken nicht mehr. Es kippt nach hinten, die natürliche Lordose flacht ab, Bandscheiben und Wirbelgelenke werden stärker belastet. Der Körperschwerpunkt wandert nach vorne, das Knie bleibt leicht gebeugt, der Druck zwischen Kniescheibe und Oberschenkel steigt – vordere Knieschmerzen. Achillessehne und Fußsohle bekommen mehr Last. Und damit der Schwerpunkt trotzdem über den Füßen bleibt, rundet sich die Brustwirbelsäule, während der Nacken kompensatorisch überstreckt.
Eine scheinbar kleine Muskelschwäche löst also eine Kettenreaktion aus, die vom unteren Rücken über Knie und Füße bis in Nacken und Schultern reicht.
Acht typische Beschwerden und ihr Muster
Jeweils mit dem, was verkürzt ist, was gedehnt und was trainiert werden sollte.
Dehnen richtig verstanden
Rund um das Dehnen kursieren viele Halbwahrheiten. Hier die wichtigsten Klarstellungen.
Das Prinzip
Agonist und Antagonist
Ist ein Muskel verkürzt, senkt ein Training seines Gegenspielers dessen Spannung. Auf Dauer kommt die Balance zurück, das Gelenk findet in die Neutralstellung, und Folgeschäden an Sehnen, Bändern, Gelenken und Bandscheiben werden vermieden.
Dehnen löst die verkürzte Seite
Trainieren stärkt den Gegenspieler
Ergebnis – die Dysbalance kommt zurück in Balance
Unterer Rückenschmerz – der Hüftbeuger ist verkürzt. Dehnen: Iliopsoas. Trainieren: Gesäßmuskulatur
Nacken- und oberer Rückenschmerz – der Brustmuskel ist verkürzt. Dehnen: Pectoralis. Trainieren: Rhomboideus
Vorderer Knieschmerz – Oberschenkelstrecker und Hamstrings sind verkürzt. Dehnen: beide. Trainieren: Hüftstrecker
Schulterschmerz und Impingement – Delta- und Brustmuskel sind verkürzt. Dehnen: beide. Trainieren: Infraspinatus und Rhomboideus
Achillessehnenbeschwerden – die Wadenmuskulatur ist verkürzt. Dehnen: Wade. Trainieren: Fußhebermuskulatur
Fersensporn und Plantarfasziitis – Wade und Fußsohle sind verkürzt. Dehnen: beide. Trainieren: Fußhebermuskulatur
Tennisellenbogen – die Unterarmstrecker sind verkürzt. Dehnen: Strecker. Trainieren: Beuger
Golferellenbogen – die Unterarmbeuger sind verkürzt. Dehnen: Beuger. Trainieren: Strecker
Mythos 1
„Dehnen bringt nichts“
Überholt ist nur das lange Dehnen unmittelbar vor dem Sport, der Pre-Stretch. Dabei verlieren die Muskelspindeln kurzzeitig ihre Grundeinstellung, die Rückmeldung ans Gehirn wird ungenau und das Verletzungsrisiko steigt. Zudem sinkt kurzfristig die Maximalkraft. Daraus wurde fälschlich verallgemeinert, Dehnen sei generell sinnlos.
Kurz aufwärmen unter 10 Sekunden ist vor dem Sport in Ordnung
Lang dehnen gehört danach oder in eine eigene Einheit
Mythos 2
„Muskeln lassen sich nicht verlängern“
Kurzfristig stimmt das – dafür sorgt das Molekül Titin, das Aktin und Myosin wie ein Zugseil verbindet. Deshalb gelingt kein Spagat aus dem Stand. Langfristig verlängert sich der Muskel aber durch Wachstum. In einer Studie über ein Jahr wurde der Wadenmuskel im Schnitt um 1,81 Zentimeter länger. Und die einfachste Gegenfrage an Zweifler: Wie sollten Turnerinnen und Balletttänzer sonst einen Spagat lernen?
Geduld – acht Wochen und mehr, für einen Spagat oft zwei bis drei Monate
Die Dosis
Wie lange dehnen wirklich?
Hier liegt der häufigste Fehler: zu kurz. Mal eben zehn Sekunden bringt niemanden weiter. Wer den Muskel wirklich entspannen und langfristig verlängern will, braucht deutlich mehr Zeit unter Spannung.
Mindestens 60 Sekunden, besser 60 bis 240 Sekunden pro Dehnung
Nach 2 Minuten zeigte sich in einer Studie noch kein Effekt auf die Muskelspannung, nach 5 Minuten schon
Regelmäßig und langfristig – sonst passiert strukturell nichts

Und die Form?

Statisch, dynamisch, aktiv, passiv, postisometrische Relaxation, Faszienrolle, Mobility Training – dass eine Form den anderen deutlich überlegen wäre, ist nicht belegt. Statisches Dehnen war in einer Studie genauso effektiv wie PNF-Stretching.
Am Ende ist Stretching, Mobility Training und Faszientraining dasselbe: Dehnung. Nimm die Form, die dir Freude macht – und bleib dabei.
Passender Plan dazu – Yoga, Stretch & Flow verbindet Dehnung mit Kräftigung
Den ganzen Artikel lesen – alles zum Dehnen von Dr. Volker
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4 Wochen
Yoga, Stretch & Flow
Trainingsplan •
Schmerzen Lindern
Fit Werden
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